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12.8.2020
Veranstaltung Mietwohnprojekt Erzhausen am 4.11.2018

Hinweise & Dokumentationen des Herbstprogramms 2018

„Gemeinschaftliches Wohnen in der Region Darmstadt-Dieburg“

Im Jahr 2018 befasst sich die Veranstaltungsreihe damit, welche gemeinschaftlichen Wohnformen schon heute in der Region praktiziert werden und welche sich noch entwickeln können. Gemeinschaftliche Wohnprojekte gewinnen immer mehr Anhänger – an die 5000 gibt es mittlerweile in ganz Deutschland. Ausgehend von den Städten breitet sich diese Wohnidee langsam auch in der Fläche aus und der Runde Tisch ANDERS WOHNEN möchte mit seinem Herbstprogramm Projekte vorstellen, die im Landkreis Darmstadt-Dieburg aktiv sind.

„Ihr mit eurer WG!“, so oder ähnlich lauten erste Reaktionen. Nein, Gemeinschaftliche Wohnprojekte sind keine WG: Gemeinschaftliche Wohnprojekte sind dauerhafte Zusammenschlüsse von Menschen, die freiwillig und bewusst bestimmte Bereiche ihres Lebensräumlich und zeitlich miteinander teilen (nach Schader-Stiftung Darmstadt). Hier geht’s zur Definition (Download).

Mit dem Programm soll auch gezeigt werden, welche verschiedenen Rechtsformen sich die Wohninitiativen geben und welche Vorzüge und Herausforderungen diese haben. Die Teilnehmenden können sich nicht nur über die einzelnen Wohninitiativen in unserer Region informieren, sondern auf dem ‘Marktplatz der Initiativen‘ auch Kontakte knüpfen und eigene Projekte vorstellen.


Wohnprojekt als GmbH Co KG
am 13. Oktober 2018 in Groß-Umstadt

Das örtliche Projekt HOLZAPFEL (Flyer zum Download) stellte sein Konzept der GmbH & Co KG vor und hatte dazu als Kooperationspartner das Wohnprojekt 'Kugelberg' aus Gießen eingeladen, das die gleiche Rechtsform gewählt hat und seit einiger Zeit bereits auch aktiv damit lebt. Frau Pauly und Hr. Dr. Hinnen vom Kugelberg-Projekt berichten über ihre Erfahrungen (Präsentation als Download). Mehr als 60 Interessierte waren gekommen.

Das Projekt HOLZAPFEL, das im Sanierungsgebiet „Vorstadt“ mitten in der Altstadt von Groß-Umstadt entstehen wird, ist auf seinem Weg schon ein ganzes Stück vorangekommen. Der Altbestand ist abgebrochen, die Sanierung der Barockscheune fast abgeschlossen, so dass es im nächsten Jahr mit den Neubauten weitergehen kann. Das Projekt ist noch offen für einige weitere Mitmacher und will interessierte Menschen ansprechen, die an diesem großzügig angelegten Ensemble mitten in der Stadt Gefallen finden und die den Mehrwert der Gemeinschaft schätzen, die offen sind für gegenseitige Wertschätzung und Toleranz.
HOLZAPFEL hat die Rechtsform der GmbH & Co KG gewählt, die gegenüber der bekannten Eigentumswohnung etliche Vorteile bietet für gemeinschaftliche Wohnprojekte, auch und gerade aufgrund der Flexibilität der Gestaltung. Eigentum als auch Miete sind unter einem Dach möglich. Bekannt ist diese Rechtsform bisher nur Wenigen und es bedarf einiger Erklärung. Anhand der mehrjährigen Erfahrungen vom Gießener Projekt 'Kugelberg' werden die Vor- und Nachteile erläutert, Erkenntnisse geteilt und im anschließenden Workshop vielfältige Detailfragen beantwortet. Unter anderem veranschaulichte der Experte für Wohnprojekte, Joachim Schuberth, aus Wiesbaden, die Unterschiede der einzelnen Rechtsformen in Bezug auf den Grad der Mitbestimmung der Bewohner und die Anforderungen an die Finanzierung. Ein weiterer Workshop widmete sich den klassischen Fragen von Einsteigern in das Thema Gemeinschaftlich Wohnen. Zum Abschluss besichtigten die Teilnehmer das Projektgelände HOLZAPFEL.

Mietwohnprojekt am 4. November 2018 in Erzhausen

Menschen möchten Verbundenheit spüren und einen Platz haben, wo sie hingehören. Das war das Thema der zweiten Veranstaltung der Reihe „Gemeinschaftliches Wohnen in Darmstadt-Dieburg im Bürgerhaus, Erzhausen. Im Rahmen des Herbstprogramms des Runden Tisches „Anders Wohnen“ des Landkreises Darmstadt-Dieburg war Erzhausen der Gastgeber.

Gegen 14 Uhr füllte sich der kleine Saal mit interessierten Menschen, die Informationen und Visionen zum Leben in einer neuen Form erwarteten.

Rainer Seibold, Bürgermeister von Erzhausen, ließ keinen Zweifel aufkommen, dass er sich schon mit dem Thema beschäftigt hatte. Er begrüßt es sehr, dass es den Verein Gemeinschaftliches Wohnen in Erzhausen gibt und damit die Realisierung eines Wohnprojekts in Erzhausen möglich wird. (Präsentation von R. Seibold als Download)

In Erzhausen soll das Wohnprojekt ein Mietwohnprojekt werden. Dazu sprach Gerhard Klein von WohnArt3 in Darmstadt-Kranichstein über seine Erfahrungen mit dieser Finanzierungsart. Vereinsmitglieder erwerben das Recht in die Immobilie einzuziehen und mit dem Investor einen Mietvertrag abzuschließen. Kapital muss nicht eingebracht werden. Vor 10 Jahren wurde dies als neues Finanzierungsmodell für erschwingliche Mietpreise konzipiert. Ein Vorteil des Mietwohnprojekts ist es, dass es auch Familien ermöglicht, ins Wohnprojekt einzuziehen. Sollten sich im Umfeld der Familie Änderungen der Lebensumstände ergeben, ist ein Auszug durchaus möglich. Gerhard Klein versichert, dass noch niemand in den 10 Jahren ausgezogen ist, weil es ihm nicht gefallen hat. (Präsentation von G. Klein als Download)

Brigitte Arndt-Rausch vom Verein „Gemeinschaftliches Wohnen, Erzhausen e.V.“ stellt das Wohnprojekt in Erzhausen vor. Es sollen ca. 18 Wohneinheiten aller Größenklassen entstehen. Die kleinste Wohneinheit beginnt bei 55 qm, größere Wohnungen können bis zu 80 qm haben oder auch  aus 2 kleinen entstehen. Die Referentin erklärt, wie wichtig die Gemeinschaft und das Zusammenleben für das Gelingen des Wohnprojekts ist. Es wird eine wohlwollende Gemeinschaft mit gegenseitiger Wertschätzung angestrebt, insbesondere vor dem Hintergrund, dass wir alle älter werden. Jeder bringt sich mit seinen Talenten in die Gemeinschaft ein.
Die Kommunikation unter den Bewohnern des Wohnprojekts und auch zum Quartier hin soll über einen Gemeinschaftsraum, der nach außen hin als Cafe geöffnet wird, gefördert werden.
Über Gästeapartments im Haus, die von Besuchern angemietet werden können, können langjährige Freundschaften auch außerhalb der Gemeinschaft weiterhin aufrechterhalten werden.

Um die Gemeinschaft im Verein zu fördern plant der Verein im Frühjahr 2019 eine Reise an die Cote D’Azur. Mit dem Hochgeschwindigkeitszug geht es nach Avignon, dann weiter ans Mittelmeer bei Sanary sur Mer und zurück über Aix en Provence.
Frau Arndt-Rausch schilderte die Vorzüge von Erzhausen, z.B. die gute Gesundheitsversorgung allein 5 praktizierende Ärzte, 3 Zahnärzte, 1 Apotheke, mehrere Physiotherapeuten, und vieles mehr. In Erzhausen befinden sich gleich mehrere Lebensmittel-Einzelhändler und mitten im Ort hat ein Händler sogar samstags bis 22 Uhr geöffnet. (Präsentation von Brigitte Arndt-Rausch als Download)

Auch junges Publikum war im Saal. Sie kamen um Einblick in die Wohngemeinschaftsszene zu erhalten. Özlem Gün, Lehrbeauftragte der Hochschule Darmstadt für den Fachbereich Architektur / Innenarchitektur, hat den Studierenden in diesem Semester die Aufgabe gestellt, authentische und aussagekräftige Entwürfe für das Wohnprojekt zu entwickeln.

Am Sonntag haben wir Einblick in die Arbeit eines Architekten erhalten. Sie hat außerdem über die Aufgabenstellung und Vorgehensweise der Studierenden mit dem Thema Wohnprojekt eine kurze Übersicht gegeben.

Alle Referenten haben viel Applaus bekommen. Im Saal waren außerdem die Wohnprojekte Holzapfel aus Groß-Umstadt, AUDELA aus Ober-Ramstadt und das Wohnprojekt aus Münster anwesend. Die Vertreter der Wohnprojekte standen für persönliche Gespräche zur Verfügung.
Im Anschluss an die Referate wurden weitere Fragen von Experten aus dem Publikum beantwortet.

Wenn Sie Informationen möchten oder an den Referaten interessiert sind, melden Sie sich bitte unter dieser E-Mail-Adresse beim Verein: Gemeinschaftliches_Wohnen_Erzhausen(at)gmx.de.


Gemeinschaftlich Wohnen + Leben - auch bei Pflegebedarf
am 10. November in Münster

Die Informationsveranstaltung der Wohninitiative 'Gemeinsam Leben Münster' sollte einen Beitrag dazu leisten, interessierte Menschen zusammenbringen, um gemeinsam neue Wege zu ebnen. Ob Beruf, Bildung, Kultur oder Vereinsarbeit, in allen Lebensbereichen bestehen lose Fäden, die für eine starke Gemeinschaft sinnvoll miteinander verknüpft werden könnten.

Nach der Eröffnung der Veranstaltung durch Elisabeth Happel, Beigeordnete im Gemeindevorstand der Gemeinde Münster, informierte Regionalmanagerin Dorte Meyer-Marquart in einem einführenden Beitrag über den Runden Tisch „Anders Wohnen“.

Christoph Heckwolf stellte das bisherige und geplante Engagement zum gemeinschaftlichen Wohnen der Ortsgruppe Münster vor (Präsentation als Download). Die Ortsgruppe orientiert sich mit ihrem Wirken an dem Verein Steinheimer Nachbarschaftshilfe e.V.

Die zahlreichen Aktivitäten und Praxiserfahrungen der Steinheimer Nachbarschaftshilfe erläuterte Peter Christ stellvertretend für den 1. Vorsitzenden des Vereins, Herrn Ewald Megerle (Präsentation als Download)

Anschließend war auf dem 'Markt der Wohninitiativen' Gelegenheit sich zu informieren und kennenzulernen.

 

 

Hinweise & Dokumentationen des Herbstprogramms 2017

Das Veranstaltungsprogramm 2017 war ein erster Schritt zur Öffentlichkeitsarbeit und Entwicklung des Netzwerks. Es zeigte, welche Wohnformen schon heute in der Region praktiziert werden und welche sich noch entwickeln können. Die Teilnehmenden konnten sich nicht nur informieren, sondern auch Kontakte knüpfen und eigene Initiativen vorstellen.

Wohnraumanpassung und Nachbarschaftshilfe -
zwei Säulen für das Bleiben in den eigenen vier Wänden
am 25. Oktober 2017 in Groß-Umstadt.

Wer in allen Lebenslagen im gewohnten Zuhause bleiben will, muss vorsorgen: Sind die Räumlichkeiten auch im Falle von gesundheitlichen Einschränkungen gut nutzbar? Wer kann im häuslichen Alltag und Umfeld helfen? Manfred Eccarius (Sachverständiger für barrierefreies Planen und Bauen) zeigt anhand von Praxisbeispielen, wie die eigene Wohnung an veränderte Bedürfnisse angepasst werden kann. Brigitte Fach Beauftragte für Innovation und Technologie, Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main gibt Tipps, wer für barrierefreies Umgestalten qualifiziert ist.

Der Fachbreich Wohnungsbauförderung/Wohnraumanpassung des Landkreises Darmstadt-Dieburg bietet Beratungen in den eigenen Räumlichkeiten an. Vor Ort, so erläuterte Frau Bickerle, kann am besten gesehen werden, was wie zu verändern ist, um im gewohnten Umfeld auch im Alter oder bei Krankheit weiter leben zu können. Manchmal reichen Hilfsmittel wie Toilettensitzerhöhung, Badewannenlifter aus, oder es muss das Bad komplett neu umgestaltet werden. Ebenso berichtete Frau Bickerle über die Finanzierungsmöglichkeiten einzelner Maßnahmen. Weitere Infos unter www.ladadi.de/gesellschaft-soziales/besondere-lebenslagen/wohnraumanpassung.html

Am Beispiel von zwei Gemeinden wurde gezeigt, wie eine Nachbarschaftshilfe das Leben im Alltagsangelegenheiten und darüber hinaus unterstützen kann.

Ökumenischer Förderverein Gernsheim

Der ökumenische Förderverein wurde bereits 1978 auf Initiative der Kirchengemeinden von Gernsheimer Christen gegründet, um Menschen – unabhängig von ihrer Weltanschauung – in schwierigen Situationen zu helfen. Im Laufe der Zeit passte der Verein seine Tätigkeiten immer wieder an die aktuellen Gegebenheiten an. Im Hinblick auf das selbstbestimmte Wohnen im gewohnten Zuhause bietet er: Essen auf Rädern, mobilen sozialen Hilfsdienst, Verleih von Pflegemitteln, Fahrtdienst zur Seniorentagesstätte sowie Freizeitaktivitäten und vieles andere mehr. Die Hilfen werden finanziert aus Beiträgen der Mitglieder, Einzelspenden und Beiträgen der Stadt. Zu berücksichtigen ist, dass viele Aufgaben nur durch das ehrenamtliche Engagement vieler Helfer/innen geleistet werden können.

Nachbarschaftshilfe Seeheim-Jugenheim

Die Nachbarschaftshilfe ist ein Projekt des Gemeindevorstandes und des kommunalen Seniorenbeirates. Das Seniorenbüro der Gemeinde stellt den Kontakt zwischen Hilfesuchenden und Anbieter her, die alles Weitere selbst vereinbaren. Die Hilfen werden ehrenamtlich angeboten. Eine Auslagenerstattung kann individuell zwischen Helfer und Hilfesuchenden vereinbart werden. Im Hinblick auf das selbständige Wohnen im Alter gibt es Angebote wie Unterstützung bei Einkäufen, Begleitung zum Arzt, zu Ämtern, bei Spaziergängen, bei kulturellen Veranstaltungen, Hilfe im Haushalt und Garten im Krankheitsfall und anderes mehr.

 

Wohnen – Neu denken                                                                           
Miteinander statt Nebeneinander
am 25. November 2017 in Ober-Ramstadt

Es wurden drei realisierte Projekte für Gemeinschaftswohnen vorgestellt. Im Anschluss an die Vorträge blieb Zeit für Gedankenaustausch und Darstellung eigener Initiativen.

1. Gemeinsam im Wohneigentum wohnen
Aktive Nachbarschaft und Arbeit für das Gemeinwohl zeichnen das Wohnprojekt GINKGO LANGEN e.V aus. Wohnräume ergänzen sich mit Gemeinschaftsräumen und bringen Nähe und Distanz in Balance. Petra Lang, Beirätin im Vorstand des Vereins, wohnt und lebt im Ginkgohaus und berichtete über die Verwirklichung der Idee vom alternativen Wohnen ab der Planung bis zur baulichen Umsetzung.


2. Gemeinsam im Mietobjekt wohnen
Selbstbestimmung und Eigenverantwortung waren für WohnArt die Triebfeder zur Entwicklung einer Idee für generationsübergreifendes, gemeinschaftliches Wohnen. In Kooperation mit der bauverein AG als Investor entstand ein neues Planungs- und Finanzierungsmodell für erschwingliche Mietpreise. Der Vortrag gab Einblick in die Entstehung und Entwicklung der Wohnanlage in Darmstadt Kranichstein.


3. Wohnen genossenschaftlich organisiert
Gemeinsam etwas stemmen, was alleine nicht möglich ist: Die Bau- und Wohngenossenschaft WohnSinn e.G. in Darmstadt ist Vorreiter für das Wohnen in bunter sozialer Mischung in Selbstverwaltung. Bereits 1998 suchten Interessierte Alternativen zum üblichen Wohnalltag und entwickeln bis heute ihre Wohn- und Hausgemeinschaft. Ein Mitstreiter berichtete über einen spannenden Weg.